Welche Objektive eignen sich für die Pferdefotografie?

Wer sich ein wenig in diversen Fotoforen bewegt, wird immer schnell auf die Frage nach den passenden Objektiven stoßen. Eine Frage, die meines Erachtens, durchaus berechtigt gestellt wird, denn bei der Fülle an Objektiven ist es schnell schwierig, sich zu orientieren!

Daher möchte ich euch heute meine Empfehlungen für Objektive zur Pferdefotografie abgeben!

Die wichtigste Regel bei Kamera- und Objektivkauf ist, nicht an den Objektiven zu sparen! Hochwertige Linsen mit einer guten Blende machen euer Foto einzigartig und holen auch aus einem kleineren Kamerabody viel heraus! Die hochwertigsten Objektive sind sicherlich Festbrennweiten, aber auch ein gutes Zoom-Objektiv gehört in jede Fototasche.

Zoom-Objektive

Unabdingbar aus meiner Sicht ist ein gutes Zoom-Objektiv. Denn damit könnt ihr super flexibel sein und könnt, ohne viel laufen zu müssen, die Situation näher heranholen. Das kann – vor allem bei unruhigen Pferden – von Vorteil sein. Beispiel: Ihr fotografiert ein liegendes Pferd und könnt euch jetzt mittels anzoomen „anpirschen“, statt wirklich aufstehen zu müssen. Generell kann ein solches Zoom das „Immer-drauf“-Objektiv sein, vor allem dann auch, wenn ihr auf Grund von Kilobeschränkungen beim Gepäck nicht die gesamte Ausrüstung mitnehmen könnt oder wollt.

Grundsätzlich solltet ihr darauf achten, dass euer Zoomobjektiv die Brennweite 200 erreicht! Das ist die schönste Brennweite, um Pferde zu fotografieren. Hier wird der Pferdekörper realistisch abgebildet und nicht verzerrt. Bei einem Zoom Objektiv von 24-70 seid ihr teils im Weitwinkelbereich und könnt unschöne Verkrümmungen und Verzerrungen erhalten.

70-200mm , f/2.8

Generell ist meine Empfehlung ein 70-200mm Zoomobjektiv bei einer festen Blende von 2.8 – damit meine ich, dass ihr sowohl bei 70, wie auch bei 200mm immer mit Blende 2.8 fotografieren könnt. Hier gibt es von jedem Anbieter und in äußerst unterschiedlichen Preisklassen Angebote – entweder passend zur Marke eures Kamerabodys, oder von einem Drittanbieter, wie beispielsweise Tamron oder Sigma.

Ich persönlich habe an Sony und Nikon Kameras gute Erfahrungen mit dem Zoomobjektiv von Tamron gemacht. Ich empfehle es bis heute sehr gerne, allerdings müsst ihr darauf achten, dass ihr nicht das Objektiv mit der blauen Banderole und dem Schiebemechanismus (Wechsel zwischen AF und MF) kauft! Irgendwie hat das immer einen Treffer, bzw. funktioniert einfach nicht gut genug für die Pferdefotografie. Am besten eignet sich meines Erachtens das Tamron SP 70-200mm F/2.8 Di VC USD, was ich euch hier auch direkt verlinkt habe. Klar – auch das ist ein Batzen Geld. Aber für ein Immerdrauf Objektiv, mit dem ihr nahezu alles, auch abseits der Pferde, fotografieren könnt, finde ich 1.400€ (Stand Dez 2017) voll ok! 

 

Das Tamron 70-200mm f/2.8 (*)

Persönlich arbeite ich aktuell mit dem Nikkor 70-200 mm, 1:2.8E FL ED VR Objektiv, also dem neuesten Zoom (und auch dem Teuersten…). Ich habe ca. 3 Jahre mit dem Tamronzoom fotografiert, dann aber gemerkt, dass es auf der professionellen Ebene, auf der ich arbeite, einfach noch einen Tick mehr braucht. Ich finde, dass das Nikkor besser abbildet, noch einen Tick schärfer ist und außerdem ist es eine ganze Ecke leichter, was ja auch nicht verkehrt ist 😉 Das Geld ist gut investiert und das Schätzchen wird mich sicher noch lange begleiten. Grundsätzlich ist es natürlich eine Gewissensfrage, wie viel man für ein Objektiv ausgeben möchte und kann! Auch mit dem Tamron kann man tolle Ergebnisse erzielen, die sich nicht verstecken müssen!

Wenn ihr gerne etwas vom Erstanbieter haben möchtet, aber keine Unsummen ausgeben wollt, empfehle ich euch einen Besuch beim Fotohändler eures Vertrauens, auf der Suche nach einer gebrauchten Optik. Da werdet ihr sicher ein Schätzchen finden, mit dem ihr lange glücklich werden könnt!

Zoomobjektive mit f/4-5.6

Andere Zoomobjektive haben eine Blendenzahl von beispielsweise 4-5.6 – bei Brennweite 200 könnt ihr hier nur noch mit Blende 5.6 und kleiner arbeiten (also höhere Zahl). Das kostet euch Licht und einen schönen Unschärfeeffekt.

Mit einigen Tricks kann man durchaus auf mit diesen Objektiven tolle Bilder zaubern, meine Teilnehmer in den Einsteiger-Workshops beweisen das immer wieder aufs Neue! Das heißt – wenn ihr einfach nur gerne fotografiert, ab und an am Stall mal die Kamera dabei habt und ansonsten keine Ambitionen aufweist, dann ist ein solches Objektiv genau die richtige Wahl für euch. Denn hier spart ihr einiges an Geld und könnt trotzdem tolle Bilder entstehen lassen!

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Aufgenommen mit meinem 70-200 f/2.8

Festbrennweiten: Das Objektiv der Extraklasse

Neben einem Zoomobjektiv arbeite ich am liebsten mit meinen Festbrennweiten. Festbrennweiten sind oftmals sehr lichtstark. Sie lassen also mehr Licht auf den Sensor, wodurch man auch bei schlechteren Lichtverhältnissen noch gute Fotos machen kann, ohne den ISO-Wert hochschrauben zu müssen.  Meine 85mm Festbrennweite hat eine maximale Blendenöffnung von f/1.8. Eine solche Lichtstärke findet man bei einem Zoomobjektiv einfach nicht und wenn doch, dann kann das kein Mensch bezahlen 😛 Am liebsten arbeite ich persönlich mit meiner 200mm f/2.0 Festbrennweite, das ist aber schon ein richtiger Oschi. Denn die verwendeten Gläser sind viel hochwertiger und schwerer als bei einem Zoom, so dass man dann schon ordentlich Gewicht mit sich herumschleppt. Oberkörperintensivtraining inklusive 😛

 

Das Nikkor 135mm – ein guter Anfang! (*)

 

 

Das tolle an einer Festbrennweite ist aber nicht nur die Lichtstärke, sondern auch die wunderschönen Unschärfeeffekte, die man damit zaubern kann! Durch die großen Blendenöffnungen lassen sich eure Motive ganz toll „freistellen“, das heißt, die sind knackscharf im Vordergrund und heben sich in einer Art Mini-3d-Effekt vom unscharfen Hintergrund ab. Im Idealfalls entsteht durch Lichteinfach in den Hintergrund ein tolles Bokeh, das sind die leuchtenden Punkte, die ein Bild so richtig zum Strahlen bringen.

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Aufgenommen mit meiner 200 FBW f/2.0

Aber: Festbrennweiten sind teuer! Auch klar, wenn sie so viele Vorteile liefern, oder? Empfehlen würde ich euch ein 135mm f/2.0 oder f/2.8 und ein 200 oder 300mm bei max f/2.8 – auch hier gibt es wieder tolle Objektive von Drittanbietern wie Sigma, Tamron und Co, die tolle Ergebnisse liefern und euch zaubern lassen. Gerade bei Festbrennweiten kann ich euch nur nochmal den Gebrauchtmarkt ans Herz legen – ich habe alle meine gebraucht gekauft und bin so glücklich! Ich habe viel Geld sparen können und ermögliche es diesen tollen Linsen benutzt und geliebt zu werden und nicht in einer Ecke zu verstauben 😉

Zusammenfassung: Objektive für die Pferdefotografie

Um optimal ausgestattet zu sein und für alle Lebenslagen der Pferdefotografie gerüstet zu sein, gehört in eure Tasche:

  • ein gutes Zoomobjektiv, im Idealfall ein 70-200 f/2.8
  • eine Festbrennweite ab 135mm

Mein Standard-immer-dabei setzt sich zusammen aus meiner Lieblingskamera, die Nikon D4, die ich meistens mit den Objektiven Nikkor 200mm f/2.0 und Nikkor 70-200 f/2.8 benutze. Damit ich die Kamera nicht verliere, hängt sie an einem Gurt von Sunbounce & Sun-Sniper. Als Zweitkamera ist die Nikon D850 dabei, oft schon mit dem 24-70 f/2.8 bestückt, um mal ein nettes Weitwinkelmotiv einfangen zu können!